Die Veröffentlichung des „Kommunalrankings 2025“ durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Consult), das von der Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen e.V. (unternehmer nrw) beauftragt wurde, sorgt in vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens für Diskussion. Die Stadt Lohmar hat sich ebenfalls intensiv mit der Methodik und Aussagekraft der Studie auseinandergesetzt und stellt klar: Rankings wie dieses liefern keine objektive Aussage über die tatsächliche Entwicklung einer Kommune – und schon gar nicht über deren Zukunftsfähigkeit.
Im Fokus der Studie stehen zwei unterschiedliche Bewertungsansätze: das Niveau-Ranking und das Dynamik-Ranking. Das Niveau-Ranking bewertet die aktuelle Standortqualität anhand von 17 Indikatoren in den Bereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität. Das Dynamik-Ranking zeigt die Entwicklung innerhalb der laufenden Legislaturperiode auf. Es basiert auf 12 dieser Indikatoren.
Die Unterschiede zwischen beiden Rankings fallen dabei deutlich aus: Im Niveau-Ranking fiel Lohmar von Platz 147 im Jahr 2020 auf Platz 260 – ein signifikanter Rückgang. Im Dynamik-Ranking hingegen wurde die Platzierung mit Rang 319 beibehalten. Auf Rhein-Sieg-Kreis-Ebene konnte die Platzierung im Dynamik-Ranking sogar verbessert werden. Dies verdeutlicht, dass eine Verschlechterung im Gesamtranking nicht zwangsläufig eine reale Verschlechterung der Kommune bedeutet – im Gegenteil.
Differenzierter Umgang mit solchen Rankings nötig
„Die Indikatoren werden standardisiert und anschließend nochmal transformiert, um eine Reihenfolge zwischen den Kommunen zu erstellen“, erläutert die Wirtschaftsförderung und strategische Kreisentwicklung des Rhein-Sieg-Kreises. „Dadurch sagt der Wert im Ranking im Endeffekt nichts mehr über die Entwicklung einer einzelnen Kommune aus und zeigt auch nicht, wie stark sich die Kommune im Betrachtungszeitraum in Relation zu anderen Kommunen entwickelt hat. Der finale Gesamtwert dient lediglich zur Aufstellung der Reihenfolge der Kommunen. Wie genau dieser berechnet wird, erläutert der Methodenbericht nicht näher“ so der Rhein-Sieg-Kreis weiter.
Die Stadt Lohmar äußert zudem erhebliche Bedenken hinsichtlich der Auswahl und Aktualität der verwendeten Daten. So wurde beispielsweise beim Indikator „Breitbandversorgung“ der Stand aus dem Jahr 2023 berücksichtigt, obwohl der Ausbau in Lohmar seither erheblich vorangeschritten ist. Ende 2024 hatten bereits knapp 86 % der Anschlüsse eine Geschwindigkeit von mindestens 200 Mbit/s, was einen beachtlichen Anstieg gegenüber den rund 61 % im Jahr 2020 darstellt.
Insbesondere die Verwendung veralteter Daten wirft Fragen auf, wie beispielsweise bei den Gewerbesteuerhebesätzen, welche im Ranking eine zentrale Rolle spielen. Hier wurden ebenfalls ausschließlich Zahlen aus dem Jahr 2023 berücksichtigt. Dabei handelt es sich um öffentlich zugängliche Informationen, deren aktuellere Fassungen bereits vorlagen und die leicht hätten einbezogen werden können. Die Verwendung veralteter Daten in diesem zentralen Punkt verzerrt das Bild erheblich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Kommunen ihre Hebesätze im Jahr 2024 angepasst haben, während Lohmar seinen Satz stabil gehalten hat, erscheint diese Entscheidung unverständlich und fachlich fragwürdig.
In der aktuellen Untersuchung wurde ebenfalls ein Indikator ausgetauscht. Die bislang genutzten Wanderungsdaten der 30- bis 50-Jährigen wurden durch Beschäftigungsdaten der über 55-Jährigen ersetzt. Die Vergleichbarkeit mit früheren Rankings ist hierdurch erheblich eingeschränkt.
Die Stadtverwaltung betont, dass ein solcher Methodenwechsel in einer Vergleichsstudie problematisch ist, insbesondere wenn die Aussagekraft ohnehin begrenzt ist. Lohmar plädiert daher für einen differenzierten Umgang mit solchen Rankings und verweist auf den Kontext: Viele Kommunen – darunter auch Lohmar – stehen vor besonderen strukturellen oder planungsrechtlichen Herausforderungen, etwa bei der Ausweisung von Gewerbeflächen, erschwert beispielsweise aufgrund von Naturschutz- und Hochwassergebieten oder Eigentumsverhältnissen.
Das Ranking kann Impulse für weitere Analysen liefern, ersetzt aber nicht die fundierte Betrachtung der tatsächlichen Entwicklungen vor Ort. Aus diesem Grund fordert die Stadt Lohmar: Ein geringerer Fokus auf Platzierungen und vor allem mehr Transparenz bei den zugrunde liegenden Daten, denn diese bleiben den Kommunen verwehrt – aus welchem Grund?
Lohmars Entwicklung: Viel bewegt – auch wenn es in diesem Ranking nicht sichtbar ist
In den vergangenen Jahren hat sich in Lohmar viel getan. Der Breitbandausbau wurde konsequent vorangetrieben: Während im Jahr 2020 nur rund 61 % der Haushalte mit mindestens 200 Mbit/s versorgt waren, lag dieser Anteil Ende 2024 bei knapp 86 %. Auch beim Gigabit-Ausbau wurde deutlich zugelegt – mittlerweile verfügen mehr als 70 % der Anschlüsse über mindestens 1.000 Mbit/s. Der Ausbau erfolgt dabei sowohl eigenwirtschaftlich durch Unternehmen wie Telekom, GlasfaserPlus und Deutsche Glasfaser als auch durch geförderte Programme wie das „graue Flecken Programm“.
Auch im Bereich der Gesundheitsversorgung konnte ein sehr wichtiger Meilenstein erreicht werden: Mit dem geplanten HNO-Facharztzentrum samt OP-Räumen und Schlaflabor wurde im Gewerbegebiet Lohmar-Ort ein neues medizinisches Angebot für die Bevölkerung auf den Weg gebracht – weitere Flächen für ärztliche Nutzung sind bereits vorgesehen.
Trotz sehr begrenzter verfügbarer Gewerbeflächen arbeitet die Stadt aktiv daran, neue Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen – etwa im Bereich Aggerhütte. Dabei setzt sie auf Kooperation mit privaten Eigentümern, denn planungs- und naturschutzrechtliche Hürden erfordern kreative Lösungen.
„Wir sind überzeugt: Die Entwicklung Lohmars spricht für sich – auch wenn sie in einem standardisierten Ranking nicht vollständig abgebildet werden kann“, so Bürgermeisterin Claudia Wieja und Wirtschaftsförderer der Stadt Lohmar, Markus Pesch.

